Seit einem guten Jahr ist in der Kinderklinik in Sankt Augustin eine geburtshilfliche Station angeschlossen. Dies hat für die werdenden Eltern und die Neugeborenen den Vorteil, dass ohne große Transportwege eine sofortige notfallmedizinische Versorgung erfolgen kann. Außerdem wird eine Trennung der Eltern von ihrem Kind verhindert, indem die Betreuung von Mutter und Kind unter einem Dach stattfindet.
Dieses Angebot ist besonders für die Schwangeren von großem Interesse, die wissen, dass ihr Kind einen Herzfehler haben wird. Sie werden schon vor der Geburt in der Klinik aufgenommen, so dass ich bereits in der Schwangerschaft mit der Familie Kontakt aufnehmen kann. Häufig führe ich diese Familien durch das Herzzentrum und zeige Ihnen dabei besonders die Intensivstation.
Dort wird das Baby nach der Geburt versorgt und stabilisiert. Wenn die Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, findet dort auch der erste intensive Kontakt zwischen Mutter und Neugeborenen statt, da unmittelbar nach der Geburt die medizinische Versorgung des Kindes im Vordergrund steht und die Mütter ihr Kind deshalb oft nur sehr kurz sehen können. Auf der Intensivstation ist es für die Familien teilweise sehr schwierig, ihr Kind so verkabelt zu sehen. Durch die Führung über die Intensivstation nehme ich den Eltern Berührungsängste und bereite sie auf das Kommende vor. So können sie sich nach der Geburt eher auf die Situation einlassen und gefühlvoll auf ihr Kind eingehen. Ein guter Kontakt zwischen Eltern und Neugeborenen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Krankheitsverarbeitung und spielt damit eine große Rolle zur Bewältigung der schweren Krankenhauszeit, wiederholten Operationen und möglichen Rückschritten.
Die geburtshilfliche Station informierte mich über eine Patientin, die zur Geburtseinleitung aufgenommen wurde. Als ich Frau Z und ihren Mann erstmalig besuchte, warteten sie auf das Einsetzen der Wehen. Beide waren sehr aufgeregt und hatten große Ängste, wie es ihrem Kind nach der Geburt gehen würde. Gemeinsam gingen wir über die Intensivstation, wo die Eltern intensiv die Möglichkeit nutzten, eine der Schwestern über die Versorgung des Kindes zu befragen.

Als ich am nächsten Morgen über die Intensivstation ging, sah ich Herrn Z mit seinem neugeborenen Sohn in einem der Zimmer. Max wurde am frühen Morgen per Kaiserschnitt geboren. Frau Z selbst hatte das Kind noch gar nicht sehen können, da sie durch die Operation große Schmerzen hatte und noch nicht aufstehen konnte, um auf die Intensivstation zu gehen. Als sie ihren Sohn dann endlich sah, war sie sehr befangen und konnte kaum Kontakt zu ihm aufnehmen. Glücklicherweise war der Zustand von Max so stabil, dass er ohne Operation auf die Beobachtungsstation verlegt werden konnte.
Dort konnten die Eltern die Versorgung ihres Kindes übernehmen und langsam in ihre Elternrolle hineinwachsen. Dabei war es von zentraler Bedeutung, dass sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewannen, z.B. ihr schreiendes Baby selber trösten konnten/wollten und nicht eine der Schwestern riefen, da „die das besser können“. Besonders Frau Z hatte lange Zeit das Gefühl, ihr Kind nicht so lieben zu können, wie sie es von sich erwartet hätte und litt darunter sehr.
In den regelmäßigen Gesprächen fand Frau Z zu einer zunehmend größeren Gelassenheit zurück und konnte die Beziehung zu ihrem Sohn intensivieren und genießen. Nach einigen Wochen wurde dann die geplante Herz-OP durchgeführt. Zehn Wochen nach der Geburt konnte die junge Familie dann die Klinik verlassen. Sie äußerten in einem Abschlußkontakt große Dankbarkeit gegenüber den Ärzten und Pflegepersonal, die ihr Kind so gut versorgten, aber auch für die psychologische Begleitung, die „uns sehr darin unterstützte, eine tragfähige und positive Beziehung zu unserm Sohn aufzubauen“.

Zusätzlich zu der Betreuung der Kinder und ihrer Eltern habe ich im letzten Monat zusammen mit Herrn Jörg Schniering, einem Mitarbeiter der klinischen Sozialarbeit, eine Tagung in Sankt Augustin organisiert. An dieser Tagung haben psychosoziale Mitarbeiter aus ganz Deutschland teilgenommen, die alle mit herzkranken Kindern und deren Familien arbeiten.
So fanden sich unter den Teilnehmern u.a. Psychologen aus München und Tannheim, Sozialarbeiter aus Duisburg, Sozialpädagogen aus Berlin und Münster…. Sie alle gehören zum „Psychosozialen Arbeitskreis in der pädiatrischen Pädiatrie“ (PSAPKA) und treffen sich regelmäßig. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Versorgung und Betreuung von herzkranken Kindern und deren Familien.

Bei der diesjährigen Tagung wurde zunächst das DKHZ besichtigt. Herr Professor Asfour begrüßte die Teilnehmer und stellte das DKHZ vor. Es folgten Workshops mit der Clownin Gisela von Löhneysen und der Musiktherapeutin Julia Hügins, die in diesem Rahmen ihre Arbeit mit den Kindern vorstellten. Besonders die Clownin begeisterte die Teilnehmer, indem sie dazu auffordertet, die „innere Clownin/den inneren Clown“ zu suchen und dazu heiterkeitsauslösende Instruktionen gab….. Der Kinderkardiologe Herr Dr. Kallenberg informierte über die Entwicklung und die Prognose von herzkranken Kindern.
Dazu stellte er verschiedene Verläufe vor, die zum Teil große Betroffenheit hervorriefen. Weiterhin wurden viele sozialrechtliche Fragen behandelt, z.B. welche Rehabilitationsmöglichkeiten gibt es für Jugendliche nach einem Klinikaufenthalt? Wie muss ein Antrag auf eine Familienorientierte Rehabilitation gestellt werden, damit eine Genehmigung durch die Krankenkassen möglichst wahrscheinlich wird? Wie können Jugendliche und junge Erwachsene bestmöglich betreut werden, wenn es keine medizinischen Therapiemöglichkeiten mehr gibt und ein langfristiges Überleben nicht mehr wahrscheinlich ist?
Alle Teilnehmer haben durch den gemeinsamen Austausch und die Informationen der Fachleute viele neue Impulse mitnehmen können, die die tägliche Arbeit mit unseren kleinen Patienten sehr bereichern werden.
